Namibia Update 2

Seit dem letzten Update hat sich viel getan bei Namibian Coffee Roasters. Unverändert scheint hingegen jeden Tag die Sonne und selbst die Wolken, die sich am Horizont über dem Erongo Gebirge blicken liessen, haben nichts an der Trockenheit geändert. Regen ist, was dieses Land so dringend braucht, wie anständigen Kaffee.

ColdBrew

Um herauszufinden welchen Kaffee der Durchschnitts-Namibier bevorzugt, habe ich mir schon in der ersten Woche mit Besuchen der Städte Windhoek und Swakopmund einen ersten Eindruck gemacht.

Dabei wurde klar: in Namibia bevorzugt man sehr kräftige und an Röstaromen reichhaltige Kaffees. Was die Zubereitung betrifft muss man sich keine Hoffnung machen: Dampflanzen mit Milchkruste gehören hier noch zum Standard wie verwässerte Espressi.

Schwierigkeiten bereitete mir der Gedanke, dass hier die dumpfen Robusta-Aromen wichtiger sind, als die Komplexität und der Geschmack, welche man von Arabica Kaffees kennt.

Natürlich sind es die lokalen Bedürfnisse auf die man sich einstellen muss, schließlich soll der Kaffee den Menschen schmecken, und mein europäischer Gaumen muss sich den Bedinungen anpassen.

Worauf genau es ankommt kann natürlich am besten ein Einheimischer mit einem geschulten Gaumen definieren und so traf ich mich mit Eddie.

Eddies Blend

Eddie, eigentlich Eduard, ist ein gutes Beispiel für einen typischen Namibier. Geboren und aufgewachsen in dem Land mit Dauersonne-Garantie, machte er nach der Schule eine Ausbildung zum Koch in Deutschland wo er anschließend einige Jahre arbeitete bevor er nach Namibia zurückkehrte.

Eddie

Eddie mag seinen Kaffee sehr kräftig. Mit dem ersten Blend, den ich ihm zum Probieren gegeben hatte, konnte er nicht viel anfangen. Zu dünn und wässrig war ihm der Kaffee, zubereitet in einer Bodum Kanne mit ungefiltertem Quellwasser, das sehr Magnesium- und Kalkhaltig ist.

Um besser zu verstehen was er erwartet, besorgte ich in einem der teuersten Supermärkte von Windhoek zwei Espressoblends, die aus Südafrika importiert werden.

Schon beim Öffnen der Tüten wurde klar, hier wird Wert auf Quantität aber nicht auf Qualität gelegt.

Der Espresso von Caturra ist bis ans Ende des zweiten Cracks geröstet. Die Beschreibung des Kaffees lässt keine Rückschlüsse auf die Herkunft der verwendeten Bohnen schließen.

Was den Geschmack anbelangt brauche ich gar nicht weiter schreiben…

Ähnlich der Espresso von Namib Blend, wo der Name den Eindruck vermittelt, es würde sich um Kaffee handeln, der in Namibia hergestellt wird.

Diese Röstung ist etwas heller gebrannt, geschmacklich jedoch eine Ladung aus verbrannten Röstaromen, ebenfalls aus Bohnen von unbekannter Herkunft

Selbst Eddie konnte mit diesen Kaffees nichts anfangen, da die Röstung zu bitter und unbekömmlich ist.

Nach der Verkostung, bei einem Windhoek Lager erzählte Eddie wie er sich seinen Lieblingskaffee vorstellt: Eddie möchte einen kräftigen und vollmundigen Kaffee, der erst durch die Zugabe von viel Zucker und Milch schmeckt und sich dennoch einfach zubereiten lässt. Nun war mir aber noch ein wichtiger Punkt klar geworden, die Menschen die in Namibia leben und sich

EddiesBlend-Cupping-2

auf Grund ihrer Herkunft sehr stark unterscheiden.
Mit fast 90% bildet die farbige Bevölkerung den größten Anteil und sie hat andere Prioritäten was Geschmack und Gewohnheiten betrifft als die Menschen anderer Herkunft.

Zurück in der Rösterei stellte ich zwei Mischungen zusammen. Eine mit 25% Arabica und 75% Robusta und eine mit 20/80% Anteil.

Nach einer Vorverkostung, bei der erstaunlicherweise die 20/80 Mischung besser abschnitten hat, bat ich die Angestellten der Namib Guestfarm zu einer Blind-Verkostung um zu erfahren was sie von den Mischungen halten.

Hierzu hatte ich mit der French Press bereitgestellt:

  • 20 Arabica/80% Robusta
  • 25% Arabica/75% Robusta
  • 75% Arabica/25% Robusta
  • 100% Robusta

Sowie, mit der Filtermaschine zubereitet, die 20% Robusta / 80% Arabica Mischung, wobei ich hier den Anteil von Wasser zu Kaffee leicht erhöht hatte.

staff-cupping-namibiancoffeeroasters

Ich war erstaunt, wie präzise die Beschreibungen zu den unterschiedlichen Kaffees ausfielen. Wie erwartet waren sich die meisten darin einig, dass die 20/80 Mischung aus der Bodum am besten schmeckt.
Beim Kaffee aus der Filtermaschine waren sich alle einig, dass er zwar gut schmeckt, aber etwas zu flach und wässrig ist.
Neugierig fragten sie, was denn der Kaffee kosten würde. Als ich erzählte, dass er preislich nicht teurer als die importierten Kaffees sein wird, waren sie begeistert. Sie können sich sehr gut Vorstellen diesen Kaffee zu kaufen.

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