Das Prinzip des Kaffeehandels an der Börse (1)

Zur Zeit können wir beobachten, dass der Kaffeepreis wieder unentwegt steigt. Seit Ende Januar steigt der Preis auf Halbjahresrekordhöhe von über 2 US-Dollar/lb (lb = 1 Pfund = 0,4535 Kilogramm). Gründe dafür sind schlechte Ernteprognosen für Brasilien und Vietnam, allerdings erklärt dies nicht endgültig, warum trotz ausreichender Produktionsmengen, die Kursrallye weiter nach oben geht, der Kaffee also deutlich überbewertet wird.

Hier im ersten Teil wollen wir euch einen kurzen Einblick in die Mechanismen der Börse geben, in den darauffolgenden werden wir immer weiter in die Materie des Kaffeemarktes eintauchen und euch alle Protagonisten vorstellen.

Coffee Warehouse


Das Prinzip der Börse am Beispiel Rohkaffee

Kaffee wird an der Börse gehandelt und gehört zu den sogenannten Soft Commodities (Agrarrohstoffe), wie beispielsweise auch Kakao, Zucker und Getreide.

Gehandelt werden können hierbei nur fungible Güter, das heisst Gegenstände, die von ihrer Beschaffenheit gleichbleibend sind und in Zahl, Maß oder Gewicht gemessen werden können. Die Güter müssen also in ihrer Qualität und Menge vergleichbar sein. Hierbei orientieren sich die Händler an genau festgelegten und standardisierten Qualitätsbeschreibungen, wie beispielsweise Fehler pro 300g Rohkaffee (Insektenbefall, Bruch oder verkümmerte Bohnen).

Schon Aristoteles berichtete von Börsen, auf dem Olivenbauern ihre Ernte schon weit im Voraus zu einem bestimmten Preis verkauften, ein sogenannter Terminkontrakt.

Durch den in der Zukunft liegenden Verkauf konnte der Bauer schon mit dem Geld arbeiten und damit planen, zum anderen konnte er den Preis sichern, der zu dem Tag aktuell war. Im besten Fall liegt dieser über dem Preis, der zum Zeitpunkt der Übergabe aktuell ist, im schlimmsten Fall weit darunter.

Das selbe Prinzip gilt in groben Zügen heute auch noch ein der Börse. Allerdings sind die Protagonisten mehr geworden und teilweise auch branchenfremd. Zum anderen kommt es bei 97% der gehandelten Waren zu keiner physischen Übergabe. Die Kontrakte dienen lediglich den Beteiligten ihre bestehenden Mittel abzusichern.

Ein Rohkaffeehändler kauft zum Beispiel Kaffee in Brasilien zu einem festgelegten Preis, in einer festgelegten Qualität und eine genau definierte Menge zum Tag x, der noch ein weiter ferne liegt.

Da er allerdings nicht weiss, ob der Preis so bleibt, sichert er seine Ware an der Börse ab, indem er ungefähr die selbe Menge an erworbenen Kaffee auf der Börse verkauft. Steigt also der Kurs des Kaffees, so verliert der Händler auf der einen Seite Geld, für den reell erworbenen Kaffee, auf der anderen Seite verdient er welches durch den an  der Börse verkauften Kaffee.

Allerdings sind die Rohkaffeehändler und Großröstereien nicht die einzigen Protagonisten auf dem Soft Commodity-Märkten. Nach der Liberalisierung des Kaffeemarktes und auch auf Grund der Globalisierung beteiligen sich nicht nur fachkundige Akteure auf dem Markt, sondern auch branchenfremde institutionelle Anleger oder auch Privatpersonen. Rohstoffe eignen sich auf Grund ihrer höheren Kursschwankungen (Volatilität) sehr gut, um darauf zu spekulieren.

Branchenfremde Akteure sind erstmal kein Problem, da sie lediglich mehr Geld in den Markt bringen. Problematisch wird die Situation sobald sich Trends abzeichnen. Der Grund dafür ist, dass institutionelle Anleger oder Spekulanten keine Interesse an dem physischen Erwerb der Ware haben, sondern lediglich das Risiko ihrer Papiere durch Diversifikation streuen wollen. Ihr Interesse gilt lediglich der Geldvermehrung. Sobald sich also Trends abzeichnen springen die meisten branchenfremden Protagonisten mit auf den Zug und die Posse bewegt sich unaufhörlich in eine Richtung (sei es nach unten oder nach oben). Das hat zur Folge, dass der Markt extrem verzögernd auf die Entwicklungen im Anbau reagiert. Dadurch werden die Rohkaffeeeinkäufer gezwungen, manchmal mit Verlust einzukaufen, manchmal aber auch bis zur letzten Sekunde abzuwarten, in der Hoffnung, dass sich der Trend ändert.

Bei Kaffee handelt es sich um ein Genussmittel, ein Luxusgut, welches nicht Überlebenswichtig ist. Doch die selben Prinzipien greifen auch bei Nahrungsmitteln, wie Weizen und die Leittragenden für Preisänderungen sind meist die Entwicklungsländer, in den Spekulationen zu Nahrungsmittelknappheit führen kann. Beispielsweise 2007-2008 waren die Preise für Sojabohnen, Weizen und Mais enorm hoch und brachen Ende des Jahres dramatisch ein. Auch wenn immer wieder die Anwesenheit von branchenfremden Protagonisten dementiert und das wachsen von Spekulationsblasen geleugnet wird, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Märkte manchmal losgelöst von aktuellen Erntelagen entwickelt und nicht immer ein Abbild von Angebot und Nachfrage ist.

Über die Autorin 

Jil Seemann

Jil Seemann (27) entdeckte schon in der Schulzeit ihre Liebe zum Kaffee. Als Barista in Coffeeshops und bei bekannten Röstereien sammelte sie umfangreiche Erfahrung. Ihr Talent stellte sie bei der Deutschen Baristameisterschaft unter Beweis wo sie bis zum Finale kam.
Nach dem Abitur entschloss sich Jil ihr Kaffeewissen auf eine solide Basis zu stellen und begann das Studium zum Bachelor of Arts mit dem Schwerpunkt Coffeemanagement.
Seit Sommer 2013 gehört Jil zum Team der Black Delight Kaffeerösterei. Hier ist sie maßgeblich für Baristatrainings, Caterings und Marketing zuständig.

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